Die Hohenberggruppe investiert mehrere Millionen, um die Wasserversorgung für über 100.000 Menschen sicherzustellen – auch das Thema Blackout steht auf der Agenda
Bauprojekte in Millionenhöhe durch die Reaktivierung des Wasserwerks „Neidinger Mühle“ und die Modernisierung des Wasserwerks „Hammer“; Rückbau der Wehranlagen samt Fischtreppe beim Wasserwerk „Hammer“ und die prägnante Frage, wie es mit der Wasserversorgung bei einem länger andauernden Stromausfall aussieht? All das waren spannende Themen bei der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Wasserversorgung Hohenberggruppe, die am 18. März im „Adler“ Obernheim tagte.
Den Blackout in Berlin im Januar dieses Jahres und die Schlagzeilen darüber haben wohl alle noch vor Augen. Ein mutmaßlicher Anschlag auf das Stromnetz löste in der Hauptstadt einen flächenhaften Stromausfall aus, von dem rund 45.000 Haushalte und über 2000 Betriebe mehrere Tage lang betroffen waren. Das Szenario eines größeren Stromausfalls beschäftigt auch die Verantwortlichen des Zweckverbands Wasserversorgung Hohenberggruppe, wie es in einer Pressemitteilung weiter heißt. Was passiert, wenn es in der Region einen längeren Blackout gibt? Wie kann die Versorgung mit Wasser von über 100.000 Menschen in den 28 Verbandsgemeinden dann noch gewährleistet werden?
Bislang hätte man in einem solchen Fall auf die sogenannten Uraca-Pumpen im Wasserwerk Hammer und auf das Flüsschen Bära für eine Mindestversorgung vertraut. Der Begriff Uraca leitet sich vom Hersteller ab, der diese von Wasserkraft angetriebenen Pumpen produziert. Das Wasser der Bära, teilweise umgeleitet in einen Triebkanal mit Wehr, setzt die beiden Uracas im Bedarfsfall in Gang, die somit auf ganz natürliche Weise Strom erzeugen. Allerdings geht diese Rechnung immer weniger auf, vor allem in den immer trockeneren Sommermonaten. Denn dann führt die Bära weniger Wasser, teils so wenig, dass eine verlässliche Nutzung der Uraca-Pumpen im Notfall nicht mehr garantiert ist. Ein tierischer Burgherr in der Nachbarschaft trägt obendrein mit dazu bei, dass es mit der Wasserknappheit noch brenzliger wird, denn der Biber und seine Bauwerke sind ursächlich, dass die Bära im Bereich des Wasserwerks Hammer noch weniger Wasser hat.
Die Hohenberggruppe hat deshalb mit einer Stuttgarter Fachfirma ein Krisenvorsorgekonzept ausgearbeitet, das unabhängig vom Wasserstand der Bära eine verlässliche Stütze sein soll. Mobile Notstromaggregate hat man hierbei im Blick. Sie sollen dafür sorgen, dass die Wassergewinnung im Pumpwerk Großschmiedebrunnen, die Aufbereitung und Verteilung in den Wasserwerken „Beuron-Langenbrunn“ und „Hammer“ sowie die Versorgungsschienen über die Hochbehälter mit Druckerhöhungsanlagen bei einem Blackout sichergestellt sind.
Vor diesem Hintergrund und der somit fraglichen Wirtschaftlichkeit der Uraca-Pumpen stellt die Hohenberggruppe grundsätzlich die Erhaltung des Wehrs samt Kanal und Fischtreppe auf den Prüfstand. Der seit Oktober 2025 neue technische Betriebsleiter, Christian Berger (lesen Sie dazu auch unseren extra Beitrag), schlägt deshalb die Stilllegung dieser gesamten Anlage vor. Der Verwaltungsrat der Hohenberggruppe wird sich diesen Themen nun annehmen.
Für den Verbandsvorsitzenden, Bürgermeister Frank Schroft aus Meßstetten, ist das Krisenvorsorgekonzept jedenfalls ein weiterer wichtiger Baustein in der Versorgungssicherheit der Hohenberggruppe. In diese investiert der Zweckverband bekanntlich seit Jahren viele Millionen Euro. Die Bürgerinnen und Bürger in allen Verbandsgemeinden sollen zu jederzeit den Wasserhahn aufdrehen können und es kommt Wasser. Dass dies jedoch keine Selbstverständlichkeit ist, kann nicht oft genug betont werden. Denn die Wasserabnahme der Verbandskunden steigt seit vielen Jahren an. Waren es im Jahre 2012 noch knapp 2,6 Millionen Kubikmeter, so summierte sich der Wasserverbrauch im vergangenen Jahr auf 3,4 Millionen Kubikmeter; Tendenz weiter steigend.
Kausal dafür sind die wärmeren Sommermonate, weniger Regen und deshalb deutlich längere Trockenperioden. So manche Verbandskommune kann dann spürbar weniger Eigenwasser zapfen und die Nachfrage aus dem großen Netz der Hohenberggruppe wächst. Tatsächlich gab es 2025 einen kritischen Tag, an dem die Versorgungssicherheit nicht nur an, sondern erstmals über ihre Grenzen des Wasserdargebots stieß, wie Christian Berger aufzeigte: Es war der 29. Juni, als 13.447 Kubikmeter Wasser gezogen wurden. Dieser eine Tag konnte dank Volllast und noch weitgehend gefüllter Hochbehälter gemeistert werden, mehrere solcher Tage in Folge sollte es jedoch nicht geben. Nicht umsonst appelliert die Hohenberggruppe immer wieder zum sensiblen Umgang mit dem kostbaren Nass. Erfreulich in der Wasserbilanz 2025: der ermittelte Wasserverlust war mit 84.223 Kubikmetern, respektive 2,09 Prozent, so niedrig wie seit 2013 nicht mehr. „Ein absoluter Traumwert“, wie Christian Berger sagte.
Die Verantwortlichen der Hohenberggruppe haben die Versorgungssicherheit und die dafür notwendige Infrastruktur stets im Blickfeld. Jederzeit soll ausreichend Trink- aber auch Löschwasser für die Feuerwehren in jeder einzelnen Mitgliedskommune verfügbar sein. Das bedingt einen hohen technischen und finanziellen Aufwand. Viele Schritte sind bereits gegangen oder eingeleitet, weitere vorgesehen. So wurde im Juli 2023 das neue Wasserwerk Beuron-Langenbrunn in Betrieb genommen. Aktuell läuft die Reaktivierung des Wasserwerks „Neidinger Mühle“, welches auf Basis eines 2011 erstellten Strukturgutachtens im Jahre 2015 stillgelegt worden war. Die damals gemachten Vorhersagen erwiesen sich jedoch als Fehlprognose. Der Wasserbedarf ging nicht zurück, sondern stieg merklich an. Weil die Hohenberggruppe für die Anlage bei Neidingen im Donautal aber noch immer die Wasserrechte von 70 Liter pro Sekunde besitzt, beschloss die Verbandsversammlung 2025, diese Quelle wieder zu nutzen und somit das Wasserdargebot merklich zu erhöhen. Zudem beschloss der Verwaltungsrat im Juli 2025, wie Vorsitzender Schroft ausführte, das Bauwerk tiefgreifender zu sanieren – sowohl baulich als auch technisch.
Was hier alles passiert, das erläuterte Ingenieur Matthias Dreher von der Empfinger Ingenieurgesellschaft Dreher+Stetter (es begleitet die Hohenberggruppe fachlich seit vielen Jahren) in der Verbandsversammlung sehr detailliert. Das bereits 2023 errechnete Investitionsvolumen für die Aufbereitungstechnik beläuft sich auf 5,956 Millionen Euro. Hinzu kommen bauliche Sanierungen für rund 965.000 Euro und die Modernisierung von Enthärtungsanlage samt Aktivkohlefiltration für weitere 640.000 Euro. Unter dem Strich summieren sich die Investitionen für ein dann hochmodernes Wasserwerk „Neidinger Mühle“ auf 7,562 Millionen Euro. Hierfür erhalten die Verbandskommunen einen Zuschuss durch das Land Baden-Württemberg in Höhe von netto 2,781 Millionen Euro.
Ein weiterer Förderbescheid in Höhe von 676.000 Euro liegt der Hohenberggruppe für die Sanierung im Wasserwerk Hammer auf dem Tisch. Diese Bundeszuwendung war zunächst unsicher und ließ aufgrund des plötzlichen Endes der Ampelregierung und des damit einhergehenden Stopps des Förderprogramms lange auf sich warten. Nachdem die neue Bundesregierung gebildet war, kam im Juni 2025 die Förderzusage. Die notwendige Planungssicherheit war somit gegeben und der Verwaltungsrat vergab unmittelbar danach die ersten Arbeiten, um eine zeitgemäße und effiziente Pumpentechnik im Wasserwerk „Hammer“ zu realisieren. Dies sei, so betonte Frank Schroft in seinem Bericht, nochmals ein weiterer Baustein zur Verbesserung der Versorgungssicherheit. Ergänzend soll eine Photovoltaik-Anlage die Betriebskosten optimieren und jährlich rund 175.000 kW/h an Strom zum Eigenverbrauch erzeugen. Die dafür nötigen Bauleistungen in Höhe von etwas über 174.000 Euro (brutto) vergab die Verbandsversammlung einstimmig an die Meßstetter Firma da-Elektro. Und es gibt noch ein weiteres Bonbon: Die Aufbereitungsanlage erhält etwa 2028/29 eine Enthärtung, so dass über die Niederdruckschiene dann weicheres Wasser als bislang verteilt wird und somit das gesamte Verbandsgebiet mit enthärtetem Wasser versorgt ist.
Die Verbandsversammlung hat einstimmig den Jahresabschluss 2024 festgestellt und ebenso einstimmig den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr beschlossen. Zuvor erläuterte Verbandsrechner Daniel Bayer in gewohnter Weise die beiden umfangreichen Zahlenwerke und ging dabei insbesondere auf die anstehenden Sanierungsmaßnahmen an der bestehenden Infrastruktur ein.
Versorgung
Stillgelegt wurde die „Neidinger Mühle“ 2015. Ausgedient hat deshalb auch die alte Technik. Nach der Generalsanierung ist das Wasserwerk aber topmodern.
Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Die voluminösen Wasserfilter in der „Neidinger Mühle“ befinden sich seit über zehn Jahren im Dornröschenschlaf. Im Zuge der Reaktivierung wird ein Teil davon weitergenutzt.
Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer

Christian Berger ist neuer technischer Betriebsführer
Seit Oktober 2025 hat der Zweckverband Wasserversorgung Hohenbergruppe einen neuen technischen Betriebsführer: Christian Berger – er ist 42 Jahre alt, studierter Wirtschaftsingenieur (Bau) und war zuletzt „Geschäftsbereichsleiter Trinkwasser“ bei den Stadtwerke Singen. Seit Herbst gehört er zum Team von Netze-BW, wo er die Nachfolge von Saskia Moser-Danhel antritt, die innerhalb der Netze-BW in eine Teamleiter-Position wechselte. Saskia Moser-Danhel war seit 2023 technische Betriebsführerin für die Hohenberggruppe. Der Verbandsvorsitzende, Frank Schroft, würdigte ihre Arbeit bei der Verbandsversammlung und bedankte sich mit einem Blumenstrauß. Ein weiteres neues Gesicht auf Meisterebene ist Marc Denecke; der 36-Jährige ist geprüfter Wassermeister und eine technische Führungskraft bei der Hohenberggruppe.

Sag es mit Blumen: Der Verbandsvorsitzende der Hohenberggruppe, Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft, bedankte sich bei Saskia Moser-Danhel für ihre langjährige technische Betriebsführung. Ihr Nachfolger ist Christian Berger (links), der zusammen mit Verbandsrechner Daniel Bayer ebenfalls mit auf unserem Bild ist.
Foto: Stadt Meßstetten/Volker Bitzer